+++ 24.3.-8.6.1999 Bombenangriffe auf Jugoslawien +++ dann Waffenstillstand +++ und seitdem? +++

Ein Krieg, der nicht zu Ende geht

Alle Welt hat aufgeatmet, als die NATO ihre Bombenangriffe auf Jugoslawien einstellte. Aber der Krieg dauert an - jetzt richtet er sich allein gegen die, die auch vorher schon die Hauptleidtragenden waren: die Zivilbevölkerung.

Ökologische Kriegführung mit Langzeitfolgen

Durch gezielte Angriffe auf chemische Anlagen sind Wasser und Boden in Jugoslawien langfristig mit giftigen, zumeist krebserregenden Stoffen verseucht. Die Auswirkungen auf die Nachbarländer Rumänien, Ungarn und Bulgarien, Griechenland und die Ukraine, die Schädigung des Schwarzen Meers, der Ägäis und der Adria sind noch nicht abzusehen.

Ein Beispiel: Am 18. April bombardierte die NATO in der Stadt Pancevo (150.000 Einwohner) mehrere chemische Fabriken. Das „Regionale Umweltzentrum für Zentral- und Südosteuropa“ hat festgestellt, dass allein durch diesen Angriff mehrere tausend Tonnen Schadstoffe, darunter mindestens 1000 t des krebserregenden Ethylen-Dichlorids, Zehntausende Tonnen Chlor und eine unbekannte Menge Quecksilber in die Umwelt gelangten. Als die Anlagen in Pancevo brannten, entstand eine Rauchwolke von 1,5 km Breite, 3 km Höhe und 20 km Länge, die am ersten Tag die Sonne verdunkelte und sich in zehn Tagen 15 km weit bewegte, bevor sie auf den Boden sank. Durch Verbrennung entstand unter anderem das international geächtete Kampfgas Phosgen.

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Giftige Rauchwolke über Pancevo nach dem Bombenangriff der NATO auf den dortigen Industriekomplex. Aus „El País“ vom 19.4.1999

Durch die Bomben auf die gesamte jugoslawische Industrie gelangten Öl, krebserregende organische Stoffe und Schwermetalle in riesigen Mengen in die Flüsse. Die Zerbombung von Elektrizitätswerken setzte den Schadstoff PCB Pyralen frei, der Krebs hervorruft und die Fortpflanzungsorgane schädigt. Für diese Substanz gibt es keinen Grenzwert, unter dem der Umgang mit ihr ungefährlich ist. Ein Liter PCB verseucht eine Milliarde Liter Wasser. (Gutachten des in Ungarn ansässigen Regionalen Umweltzentrums für Zentral- und Osteuropa (REC) vom 28.6.1999)

Humanitäre Intervention mit geächteten Waffen

Der Krieg hinterließ im Kosovo ausgedehnte Minenfelder, die vor allem von der jugoslawischen Armee angelegt wurden. Sie musste vor ihrem Abzug über die verminten Gebiete genaue Auskunft geben. Obwohl die KFOR-Soldaten Minen räumen, wird die Gefährdung, besonders der Landbevölkerung, noch lange weiter bestehen.

Die NATO hat unter den 20.000 Bomben, die sie während des Krieges auf Jugoslawien abgeworfen hat, auch amerikanische und britische Streubomben (Cluster-Bomben) eingesetzt. Die amerikanische Variante zerplatzt in 202 „Kleinbomben“, von denen jede am Erdboden 300 rasiermesserscharfe Metallsplitter freisetzt, die mit hoher Geschwindigkeit bis zu 150 m weit einschlagen. Das Pentagon gibt eine Fehlerquote von 5% bei dieser Waffenart zu, d.h. die Bomben explodieren nicht vollständig. Nach US-offiziellen Angaben müssten auf jugoslawischem Gebiet noch ca. 11.000 dieser flaschengroßen „Kleinbomben“ herumliegen. (Eine Meldung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24.6.99 geht von „bis zu 30.000“ nicht explodierten Sprengkörpern aus.) Da die NATO sich weigert, Angaben zu ihren Bombenzielen zu machen, bedrohen diese Waffen nach wie vor jeden, der sich im früheren Kriegsgelände bewegt: Männer und Frauen, die zur Arbeit gehen, spielende Kinder.

Streubomben werden häufig als Minen bezeichnet; sie können in ihrer Wirkung mit Großminen verglichen werden. Beim Tod der ersten KFOR-Soldaten hieß es zunächst, sie seien durch eine Minenexplosion getötet worden - tatsächlich starben sie beim Räumen von Explosivkörpern aus NATO-Streubomben.

Der Einsatz von Streubomben ist international geächtet und wurde von der UNO in den Katalog der „inhumanen Waffen“ aufgenommen.

Radioaktive Verseuchung

Geächtet sind auch radioaktive Waffen. Aber - wie schon im Golfkrieg 1991 und in den Bombardements auf Serbien und Bosnien 1995 - haben die US-Streitkräfte auch im NATO-Krieg 1999 uranhaltige panzerbrechende Geschosse eingesetzt. Hochtoxisch ist der Staub, der beim Einschlag der Munition durch Verbrennung entsteht, sich leicht ausbreitet und - außer in Boden und Wasser - in die Atemwege von Mensch und Tier gelangen kann. Die schwach radioaktiven Hülsen bleiben im Gelände liegen. Vor allem im Kosovo, wo sich die Panzer der jugoslawischen Armee befanden, hat die albanische Bevölkerung mit der Hinterlassenschaft eines Krieges zu tun, der angeblich für ihre humanitären Rechte geführt wurde, nun Boden und Wasser kontaminiert und das Leben jedes Einzelnen bedroht, der mit diesen Hülsen in Berührung kommt. Durch den Staub, der sich leicht in der Atmosphäre verteilt, ist das Gebiet vom Kosovo über Bosnien und Ungarn bis Süddeutschland gefährdet. Etwa 20 Millionen Menschen wurden damit - laut einer Studie der amerikanischen Coghill Research Laboratories - einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Erhöhte Radioaktivität wurde nicht nur im Kosovo, sondern auch in den Nachbarstaaten gemessen, in Makedonien dreimal höher als normal. Nachdem die beteiligten Kriegsminister zunächst den Einsatz uranhaltiger Waffen überhaupt geleugnet hatten, wird jetzt behauptet, sie seien gesundheitlich unbedenklich. „Ein Gesundheitsschaden tritt nur auf, wenn man mehrere Geschosse dieser Art hinunterschlucken würde“, erklärte ein hoher NATO-Beamter in Brüssel.

Obwohl auch das Pentagon jede schädliche Wirkung des verwendeten abgereicherten Uran 238 bestreitet (allein schon, um Klagen der eigenen Soldaten abzuwehren, die als erste mit diesen Waffen in Berührung kamen), sprechen die Folgen des Golfkriegs eine deutliche Sprache:

In fünfjährigen Untersuchungen im Irak hat der deutsche Arzt Siegwart H. Günther festgestellt (Quelle: s. Bildunterschrift), dass, wer mit diesen Geschossen in Kontakt kommt, rechnen muss mit

Alle diese Folgen sind im Irak bereits eingetreten, vor allem Kinder sind betroffen. Internationale Ärzte haben Kinder in Basra mit Handpuppen spielen sehen, die sie aus den Projektilen gefertigt hatten. Professor Ulrich Gottstein, früher Chefarzt der Frankfurter Bürgerklinik, hat in den Kinderkrankenhäusern des Irak eine hohe Zunahme von Niereninsuffizienz, Leukämie, Anämie und malignen Lymphomen festgestellt. Die Zahl der Fehl- und Missbildungen bei Neugeborenen hatte vier Jahre nach Kriegsende allein an der Universitätskinderklinik von Bagdad um 26,8 % zugenommen: Kinder ohne Arme, ohne Zehen oder Finger, mit missgebildeten Köpfen. Die Missbildungsrate in den ländlichen Gebieten soll noch höher sein.

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Schmerzlose Geschwüre am Kopf eines irakischen Kindes, das mit Uran-Geschossen gespielt hatte. Oben rechts: irakischer Soldat mit Strahlenschäden im Gesicht. Aus „Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten, mißgebildete Neugeborene, sterbende Kinder“, Prof. Siegwart-Horst Günther, AHRIMANN-Verlag

Die wachsende Zahl der Opfer auf der kriegführenden Seite soll nicht unerwähnt bleiben: Kinder von US-Soldaten, die während des Golfkriegs durch die eigene Munition verwundet wurden oder sich aus ihren brennenden Panzern retteten, weisen vermehrt Missbildungen auf. In 251 Familien von Golfkriegsveteranen hatten 67% der neugeborenen Kinder nicht nur „eine allgemeine Körperschwäche, sondern auch schwerste Missbildungen wie fehlende Augen und Ohren, zusammengewachsene Finger, große Angiome etc.“ (Nach einer Untersuchung des US-Atomwissenschaftlers A. Dietz, zitiert von U. Gottstein in „Hessisches Ärzteblatt“ Nr. 8/1995, S. 237 ff).

Folgen des Krieges, mit denen auch im Kosovo, auf dem Balkan, in Europa gerechnet werden muss.

Auch aus diesem Grund: NIE WIEDER!

Krieg, so wie er heute geführt wird, vernichtet Leben ohne Ende ...

Durch die Beteiligung an diesem Krieg hat die Bundesregierung eine humanitäre Katastrophe mit verursacht, deren Ausmaß nicht absehbar ist.

Wir verlangen von der Bundesregierung, dass sie künftig alles tut, um Kriege zu verhindern:

Unterstützen Sie unsere Forderungen! Schreiben Sie an die Bundesregierung:
Bundeskanzleramt, Schloßplatz 1, 10178 Berlin, Fax: 01888/400-1818

Letzte Meldung:

Ein Expertenteam des World Wide Fund for Nature (WWF) hat Mitte September Umweltschäden als Folge des Kosovo-Krieges bestätigt. In einer Kurzstudie hat die Naturschutzorganisation in Wasser- und Bodenproben (unter anderem aus Pancevo und Novi Sad) beträchtliche Mengen hochgiftiger Substanzen nachgewiesen. Die Giftstoffe gefährden Trinkwasservorräte und andere Lebensgrundlagen nicht nur in der Republik Jugoslawien, sondern auch in benachbarten Staaten.

Friedensarbeitskreis PAX AN!
c/o Allerweltshaus, Körnerstr. 77-79, 50823 Köln
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V.i.S.d.P.: Elvira Högemann