Heute im Dom zu Köln: Soldaten-Gottesdienst
Heute zelebriert Kardinal Meisner im Kölner Dom wieder einen Soldaten-Gottesdienst für Nato-Streitkräfte. Wie in den vergangenen Jahren wird der katholische Prediger den Militäreinsatz in aller Welt absegnen.
Wir möchten hier einige Denkanstöße geben. "Wir" steht für die Kölner Friedensgruppe PAX AN, "Sie" steht für die Kriegsbefürworter.
Sie sagen: Wir führen Krieg gegen Terror.
Wir sagen: Krieg ist kein Mittel gegen Terror. Selbst Militärexperten räumen ein, dass Bomben nicht geeignet sind, uns vor bewaffneten, zu allem entschlossenen Selbstmordattentätern zu schützen. Unmittelbare, gezielte Polizeiaktionen hätten eher zum Ziel geführt: die Täter gehören vor einen internationalen Strafgerichtshof. Allerdings blockieren ausgerechnet die USA die Einrichtung eines solchen seit langer Zeit.
Sie sagen: Kollateralschäden sind nicht zu vermeiden.
Wir sagen: Kein Mensch ist kollateral. Zivilisten (vor allem Frauen und Kinder) sind die ersten Opfer dieser Kriege. Schon 4000 ZivilistInnen mussten in Afghanistan ihr Leben lassen (lt. Prof. Marc W. Herold von der New Hampshire University) - sei es durch Bomben oder Minen. Die international geächteten Streubomben, die die US Army über Afghanistan abgeworfen hat, werden auch in Zukunft noch zahlreiche zivile Opfer fordern.
Sie sagen: Wir müssen die zivilisierte Welt verteidigen.
Wir fragen: Wie zivilisiert ist ein Staat, der das Völkerrecht durch das Recht des Stärkeren ersetzt? Wie zivilisiert ist ein Staat, der die Todesstrafe praktiziert? Wie zivilisiert ist ein Staat, der internationale Abkommen missachtet (z.B. die Genfer Konventionen über Kriegsgefangene - in Masar el Sharif bombardierten die USA gezielt ein Gefangenenlager)? Wie zivilisiert ist ein Staat, der nach dem alt-testamentarischen Grundsatz verfährt: "Auge um Auge, Zahn um Zahn"?
Sie sagen: Wir mussten ein Unrechts-Regime beseitigen.
Wir sagen: Die Taliban hatten ihre Macht der Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes ISI in Kooperation mit dem US-Geheimdienst CIA zu verdanken. Die USA kooperieren auch sonst weltweit mit Diktaturen und Unrechts-Regimen. Sie scheuen sich z.B. nicht, die reaktionäre Regierung Saudi-Arabiens, den pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf und das Folter-Regime der Türkei zu unterstützen. Und: worin besteht der Sinn, ein Unrechts-Regime gegen ein anderes auszutauschen - die Nordallianz hat die Menschenrechte ebenso mit Füßen getreten wie die Taliban.
Sie sagen: Wir müssen Terroristen in allen "Schurkenstaaten" der Welt verfolgen.
Wir sagen: Die Terrorbekämpfung dient als Vorwand für die militärische Absicherung der westlichen Öl-Interessen. In Afghanistan plant der US Konzern Unocal seit Jahren den Bau von Öl-Pipelines, die den Transport von Erdöl aus dem Kaspischen Meer in den Indischen Ozean ermöglichen sollen. Dabei sollten die Taliban behilflich sein. Erst als sie sich unwillig zeigten, "entdeckte" man deren Menschenrechtsverletzungen als Thema. Auch bei den neuesten Angriffszielen (Somalia, Sudan, Irak) spielen Öl-Interessen die Hauptrolle.
Sie sagen: Deutschland muss wieder eine militärische Rolle spielen in der Welt.
Wir sagen: Deutschland und Europa muss sich durch eine andere, friedliche Politik in der Welt profilieren. Gerade durch seine militärische Zurückhaltung nach der Katastrophe des Hitler-Krieges hat Deutschland wieder Vertrauen und Ansehen gewonnen. Wenn deutsche Soldaten jetzt wieder in aller Welt intervenieren, laufen wir Gefahr, dieses Ansehen zu verspielen. Außerdem: das Grundgesetz verbietet jeden Angriffskrieg und erlaubt Streitkräfte ausdrücklich nur zur Landesverteidigung.
Wie wäre es wenn
wir uns als Zivil-Macht profilieren, indem wir Methoden gewaltfreier Konfliktlösung anwenden?
wir die Energie-Probleme unser Gesellschaft ohne Kriege lösen, indem wir erneuerbare Energien entwickeln und Energiespar-Programme umsetzen?
wir einfordern, dass wir über alle Aspekte der gegenwärtigen Konflikte und Kriege wahrheitsgemäß und unabhängig informiert werden?
wir uns dafür einsetzen, den Nährboden des Terrorismus auszutrocknen, indem wir an einer gerechteren Weltwirtschaftsordnung arbeiten?
wir unsere Steuermittel statt für teure Militärinterventionen z.B. für die Absicherung der Renten, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Verbesserung unseres Bildungssystems ausgeben?
V.i.s.d.P: Ariane Dettloff, Kölner Friedensarbeitskreis PAX AN, Allerweltshaus, Körnerstr. 77-79, Köln. Treffen: donnerstags 20:30 Uhr.